KRITISCHES
Wenn ich bis jetzt auch fast durchgängig für meine gewählten Ferienziele geschwärmt habe, zu Französisch Polynesien möchte ich an dieser Stelle doch einige Worte der Kritik loswerden.
Selbstverständlich ist Folgendes zu bedenken: Wir haben nur 2 Inseln gesehen und das innerhalb von wenigen Tagen. Natürlich kann man sich so kein vollständiges Bild von einem Land machen. Trotzdem habe ich mich auf Grund vieler kleiner Begebenheiten hier nicht sehr wohl gefühlt, ein persönliches Empfinden, dem ich an dieser Stelle einfach Ausdruck verleihen möchte. Andere Reisende haben sicher komplett andere Erfahrungen gemacht.
Wer für die Südsee schwärmt und eine Weltreise macht, sollte auf keinen Fall diese Inseln auslassen. Aber der Himmel auf Erden hat auch einen stolzen Preis.
Gelockt werden die Besucher vom "Mythos Tahiti". Wer denkt bei diesem Stichwort nicht an laue Abende unter flirrendem Sternenhimmel und rauschenden Palmen, weiße, fast menschenleere Strände, blaues Meer und türkise Lagunen, sanfte Menschen und Müssiggang ohne Reue a la Gaugin, dazu tropische Früchte, die einem in den Mund wachsen?
Die Idee vom Paradies auf Erden hält sich trotz zunehmender Armut, Abhängigkeit und gestoppter Atomtests. Und der Preis in diesem Paradies zu leben oder es zu besuchen ist exorbitant.
Sicher findet man an vielen Orten auch die gängigen Klischees bedient. Aber wer denkt schon bei türkisen Lagunen an eventuelle Regentage, die alles grau in grau erscheinen lassen und an denen man außer herumhängen gar nichts machen kann? Vier Tage Aufenthalt auf Bora Bora oder Moorea und dann vier Tage Regenwetter? Durchaus möglich. Mir hat ein verregneter Tag gerreicht.
Durch ein Steuersystem ohne Einkommenssteuer werden auf alle Waren hohe Steuersätze verrechnet, dadurch sind die Nebenkosten hier so hoch. Und dann geht man am Abend Essen und eine Pizza kostete damals umgerechnet 20 DM. In der Hotelbar genemigt man sich einen Cocktail für 18 DM und dann wird um 21:45 Uhr ohne Vorwarnung vor der Nase der Gäste das Verschlussgitter der Bar heruntergelassen. Das teure Frühstück soll bis 10 Uhr sein, um 9 Uhr wird plötzlich abgeräumt, obwohl noch Gäste im Restaurant sitzen. All dies in wenigen Tagen erlebt. Service wurde nach meinem erleben auf den Inseln nicht gerade groß geschrieben.
Vor über 30 Jahren kam die französischen Invasion auf Tahiti und Mururoa durch ein Heer von Atomphysikern, Ingenieuren und Militärs. Jetzt kennen die Südsee-Insulaner die Annehmlichkeiten westlichen Lebensstandards, aber auch die wirtschaftliche Abhängigkeit. Der Preis für den Luxus und das Savoir Vivre ist sehr hoch: Die Polynesier verlieren mehr und mehr ihre ursprüngliche Kultur und ihre traditionellen Riten. Sie bezahlen den Fortschritt und die Anbindung an Frankreich mit dem fortlaufenden Verlust ihrer Sprache, denn die heutige Jugend versteht und spricht kaum mehr polynesisch, die traditionellen Tänze und Rituale sind zumindest auf den stark besuchten Inseln fast ausgestorben oder haben höchstens als Touristenshow überlebt. Eine Rückbesinnung erfolgt zwar, doch wer noch das ursprüngliche Polynesien sucht, der müsste wohl sehr weit paddeln, segeln oder fliegen.
Also wird man als normaler, durchreisender Tourist mit begrenzter Zeit nicht sehr viel Ursprüngliches sehen und nur für einen reinen Badeurlaub sind die Inseln zu weit weg und viel zu teuer.
Die Gewalt in den Vororten Papeetes und die sozialen Probleme durch Alkohol und Drogen nehmen auch hier, wie überall auf der Welt, zu. Unruhen gab es vor einigen Jahren auch schon. Die Anzeichen von Armut vermehren sich, denn das Preisniveau für den Lebensunterhalt ist exorbitant hoch. Das passt widerum nicht zum Bild vom Paradis, das die Inseln gerne von sich vermitteln und vermarkten.
Wer kann sich solche Preise noch leisten? Vieles wird über Frankreich importiert oder sogar unsinnigerweise re-importiert. Seit Paris die Finanzspritzen mit dem Atomteststopp rationiert, geht es mit dem Lebensstandard weiter bergab. Nun ist der Euro auch hier gültig und ein Preisvergleich ist einfacher geworden. Vielleicht hat sich in den letzten Jahren ja auch einges geändert, wir waren im Jahr 1994 vor Ort.
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